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Das Alter ist die größte Kränkung des Mannes

Ein Buch weist Männer aus dem Dilemma

Manche Altersprobleme sind nicht wirklich neu, sondern haben in Wirklichkeit vorher bestanden und treten im höheren Lebensalter nur stärker hervor. Was am besten hilft, sind demnach nicht völlig neue Maßnahmen oder Mittel, sondern dass man endlich lernt, Einsichten umzusetzen, die das Leben und der Körper schon immer flüsterten. Männer sind insofern schlechter als Frauen gegen das Altern gerüstet, weil sie zu Handgreiflichem und Aktionismus neigen. Besser wäre, wenn sie beizeiten eine andere Gesprächskultur lernten, um sich unter den neuen Bedingungen etwa des Ruhestandes besser zurechtfinden zu können. Bitterer Hinweis darauf, dass die nötigen Anpassungen immer noch nicht gelingen, ist die Tatsache, dass deutlich mehr alte Männer Selbstmord begehen als jüngere. Männer müssen den Weg zu Beratern oder Gruppen finden, in denen die richtigen Fragen gestellt und der Blick für blinde Flecken geöffnet werden.

Erstmals durchleuchtet in diesem Buch auch jemand, wie peinlich um den angeblichen „Generationenvertrag“ gelogen wird. Andererseits überschätzt Hammer, wenn er über die heutige Versorgung spricht, wie viele Menschen doch tatsächlich zu Armut verurteilt sind. Denn es ist ja nicht nur die Rente als solche, die schlecht und unzureichend wird, sondern die Preise steigen außergewöhnlich, und jede andere Maßnahme, einen Ausgleich zu schaffen, gelingt heute schwerer als in früheren Jahrzehnten der Bundesrepublik Deutschland.

Eckart Hammers Buch ist eine der besten Erscheinungen auf dem Markt der Literatur zum Männerleben. Er schafft es, zwar alle Befunde zur schwierigen Situation der alten Menschen genau in den Blick zu nehmen, aber darüber hinaus wirklich nachvollziehbare Ratschläge zu geben, wie die nötigen Anpassungen erbracht werden können. Dazu benutzt er ein Schema von Fünf Säulen der Identität, nämlich Arbeit, Soziales Netz, Leiblichkeit, materieller Sicherheit und Werten. Dieses Schema führt er durch die Gegenüberstellungen von nützlichen und fruchtlosen Anstrengungen, das Alter lebenswert zu machen. Es taugt zur persönlichen Reflexion und kann zur Grundlage von Gruppenarbeiten gemacht werden.

A. Martin Steffe

Eckart Hammer: Männer altern anders. Eine Gebrauchsanweisung. Herder/Freiburg 2007. ISBN 978-3-451-29717-5