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Buchbesprechungen


Ein weißer Fleck im Publikumsinteresse: Die Leber

Die Leber als Ursache vieler Beschwerden wird unterschätzt

Die Reaktionen der heutigen Deutschen ist auch populistisch geprägt: Wenn jemand einen einzelnen Stoff wie Gluten oder Laktose verteufelt, springen alle sofort darauf und werden missionarisch. Der Handel folgt dann gerne. Aber viele Beschwerden rühren nicht von der Sorglosigkeit gegenüber nur einem Stoff her sondern aus der Missachtung der Leber. Die Autoren Wunder legen daher in Form der Lebensgeschichten mehrerer Personen dar, dass Müdigkeit, Schlafstörungen, Hautjucken, Flecken auf der Haut, Gelenkschmerzen, hormonelle Probleme und (manche) Migräne ihre Ursache in einer missachteten Leber haben. Wer hätte gedacht, dass sogar Hämorrhoiden aufgrund eines gestörten Regelkreislaufs zwischen Darm und Leber entstehen?

Viele werden protestieren, sie tränken doch gar nicht so viel Alkohol. Für die Leber aber ist schneller etwas zu viel, als die betreffende Person denkt. Ein weiterer Schadfaktor aber ist der Fruchtzucker, vor allem, weil er auch versteckt in vielen Lebensmitteln vorkommt. Demgegenüber werden kaum noch Bitterstoffe aufgenommen. Sie entsprechen nicht dem allgemeinen Geschmack und sind deshalb aus Gemüsen oder Salaten herausgezüchtet worden.

Die Autoren bieten deshalb gleich ein Programm zur Abhilfe: Sie beschreiben ein zwölftägiges Entgiftungsprogramm, empfehlen, was man beibehalten kann und geben Rezepte zu einer erforderlichen Entgiftungskur. Auch hier wieder: So lecker kann Gesundheit sein! Dieses Angebot wird dann noch einmal durch eine Einkaufsliste leichter gemacht. Oder wer es noch einfacher braucht, kann sich die erforderlichen Mittel in einem Paket bei den Autoren bestellen.

A. Martin Steffe

Wunder, Lulit; Wunder, Mabon: Wunderleicht Leberreinigung. Stuttgart, 2019 (Trias). ISBN 978-3-432-10899-5, 152 S., €19,99.

Sanfte, doch starke Hilfe

Alte Verhängnisse in sich selber lösen

Die Grundlagen für die von Psychologin Marx angebotene Reise in das eigene Innere wurden von verschiedenen Schulen von Psychologen und Therapeuten gelegt. Man bewegt sich also auf bewährtem Gebiete. Der Gewinn des Hörbuchs ist, dass man nicht nach geeigneten Partnern oder Partnerinnen für eine Therapie suchen muss sondern gleich loslegen kann. Auch die einzelnen Schritte der "Reise" – so schön oder idyllisch sie sich anhören mögen – sind dem Vorhaben angemessen und wirksam. Denn entscheidend ist, dass der hilfesuchende Mensch vertraut und sich kindlich, aber vollständig den angebotenen Worten anvertraut. Das ist nämlich das Modell dafür, wie er als heutiger erwachsener Mensch seinem früheren Selbst begegnet und es aus den alten Verhängnissen und Irrwegen befreit. Um der Artikulation willen wäre es allerdings schön gewesen, wenn eine geschulte Sprecherin die Texte gesprochen hätte.

A. Martin Steffe

Susanne Marx: Es ist nie zu spät für eine gute Kindheit. Mit der heilenden Reise alte Belastungen lösen. Hörbuch. Stuttgart, 2019 (Trias). ISBN: 9783432109428, €14,99. Gesamtlaufzeit: ca. 60 Minuten

Wer die Füße trainiert, trainiert den ganzen Körper

Übungen helfen auch bei erwiesenen Fußgewölbeschäden

Merkwürdig ist, wie lange Menschen Fußbeschwerden hinnehmen, ohne etwas dagegen zu unternehmen, sondern erst bei unaushaltbaren Schmerzen gehen sie zum Arzt. Ob Hallux valgus, Knickfuß, Hohlfuß oder Plattfuß. Die Füße verdienen mehr und vor allem rechtzeitig Aufmerksamkeit. Sind sie doch entscheidend für die Bewegungsfähigkeit und bestimmen die gesamte Statik über Knie, Hüfte bis zum Hals-Schulter-Bereich. Darüber hinaus aber schränken Fußbeschwerden die Bewegung ein, die doch der umfassenden Gesunderhaltung – darin auch Gewichtskontrolle, Atemkapazität etc. – nicht nur den Füßen selbst dienen soll. Hauptratschlag ist, viel barfuß zu gehen. In Schuhen zu gehen ist so, als ob man alle Aufgaben der Hand in einem Fäustling erledigte. Barfuß auf einer Wiese oder dem Rasen zu gehen trainiert alle Muskeln des Fußes, und in unseren Füßen stecken ¼ aller Knochen des Körpers!

Bewegung lindert Schmerzen

Physiotherapeutin Ulrike Maier, früher selbst Betroffene, beschreibt in ihrem Buch vielfältige Übungen, mit denen sogar akute Fehlstellungen noch zu korrigieren sind. Sie umfassen Spür- ebenso wie Kräftigungsübungen und sind nach Schweregraden und Zielen aufgeteilt, in allgemeine Übungen zur Förderung der Fußgesundheit als auch Spezialübungen zur Behandlung von Fußfehlstellungen. Die Abweichung des Großzehs ist eine der häufigsten Abweichungen. 80 % aller Frauen haben einen Knickfuß. Der Knickfuß kann durch einen Plattfuß entstehen wie auch der Plattfuß durch einen Knickfuß. 10% der Bevölkerung haben einen Hohlfuß, oft mit einem Spreizfuß verbunden. Die Varusstellung der Beine und die Bildung seitlicher Knicks des Knöchels kamen früher oft bei Fußballern vor. Durch Änderung des Trainings wird das heute weitgehend vermieden. Das Buch ist reichlich mit Fotos versehen, und das ist auch erforderlich, da die Feinheiten sich textlich alleine nicht leicht in ihrer Bewandtnis verstehen lassen.

A. Martin Steffe

Ulrike Maier: Der kleine Fuß-Coach. Die besten Übungen gegen Hallux valgus, Spreizfuß, Hammerzeh & Co. Stuttgart 2021 (Trias), 143 S, €13,40. ISBN 9783432113852

Mehr Aufmerksamkeit für das größte Gelenk des Körpers

Zu wenig oder falsche Belastung

Rund ein Fünftel aller Deutschen leidet unter Kniebeschwerden, Frauen noch mehr als Männer. Kreuzbandrisse machen 40% aller Knieverletzungen aus und sind dazu oft von Meniskusschäden begleitet. Was Kniebeschwerden betrifft, so ist auch bei ihnen doppelt tragisch, dass die Beschwerden zu immer mehr Schonung führen, damit aber auch der Bewegung entgegenstehen, die für die Gesundheit insgesamt erforderlich ist. Unter natürlichen Belastungen funktionieren unsere Gelenke perfekt. Jedoch werden die Gelenke aufgrund unserer Lebensweise entweder zu wenig gefordert oder aber zu stark belastet, gerade auch von zu schnell dauerlaufenden Laien mit ihrem zu heftigen Fußaufsetzen aufgrund zu hoher Geschwindigkeit und zu hohem Heben der Unterschenkel. Warum regen sich Menschen heute über Zoos, Zirkusse, Legehennenbatterien und andere tierquälerische Haltungen auf, aber nicht über ihren eigenen viel zu geringen Bewegungsradius, kritisiert Fengler.

Die von Arndt Fengler zusammengestellten Übungen zielen dementsprechend zunächst einmal auf besseres Gefühl für das eigene Gelenk. Danach reihen sich Übungen für Einsteiger, Fortgeschrittene und Experten. Viele Übungen sehen das Stützen etwa auf einen Stuhl vor, also das Üben in ganz entlasteter Form. Immer wieder betont Fengler, dass die Übungen achtsam, konzentriert und fein nachvollzogen werden – genau anders als im gut gemeinten Laiensport. Dazu kommen auch einige Beispiele, wie Faszien behandelt werden können, wo sie für Faszienrollen nicht erreichbar sind. Was das Buch also doppelt wertvoll macht, ist einerseits die Qualität der unscheinbaren aber wirksamen Übungen, andererseits die Umerziehung, das Heftige zu vermeiden und Beschwerden sanft, nicht heftig zu behandeln. Es soll ja kurzfristig interessierte Marathonläufer geben, die vorbeugend Schmerzmittel nehmen, um den Lauf durchhalten zu können – seltsam: entweder zu wenig Bewegung oder zu gewaltsam. Das muss sich ändern. Dieses Buch ist ein Schritt dazu.

A. Martin Steffe

Arndt Fengler: Der kleine Knie-Coach. Die besten Übungen gegen Arthrose, Meniskusschäden, Fehlstellungen & Co. Stuttgart, 2021 (Trias), 103 S., €13,40. ISBN 9783432113814

Darf man denn noch irgendetwas essen?

Wer FODMAP-Lebensmittel meiden muss wird intensiv gefordert

Menschen mit chronischen Darmbeschwerden sind übel dran. Zuerst muss geklärt werden, ob es sich um eine Allergie oder eine Unverträglichkeit handelt. Bei Allergien reagiert das Immunsystem und bildet Abwehrstoffe – meist auf nur eine Substanz in bestimmten Lebensmitteln. Bei Unverträglichkeiten können ganze Gruppen von schwer verdaulichen Kohlehydraten, eben die FODMAPs, liegt ein Enzymdefekt vor. Diese Beschwerdelage und ein Ernährungskonzept dagegen wurden um etwa 2005 entdeckt und beschrieben. Es handelt sich hierbei also um kein Ernährungskonzept, das umfassend gesund sein soll oder auf Tierhaltung oder Transportweg Rücksichten nimmt, sondern es handelt sich um eine therapeutische Ernährung (die darüber hinaus auch grundsätzlich gesund ist und weitere Rücksichten ermöglicht). Die Konsultation von Fachärzten ist jedoch unabdingbar, und das Buch selbst unterstreicht, dass eine Behandlung in Eigenregie gemäß dem Buch nicht anzuraten ist.

Unübersichtlichkeit erlaubter Lebensmittel

Jedoch ist das Buch als Begleiter wiederum unverzichtbar. Denn wer soll den Überblick behalten, was man alles essen oder trinken dürfte? Allein die Vorstellung, wie komplex und kompliziert das Beibehalten einer darmfreundlichen Kost ist, wird viele zum Verzicht treiben und es mit Medikamenten versuchen lassen. Hier leistet das Buch Großartiges. Es ist so klein, dennoch beschreibt es klar die drei Phasen des Ernährungskonzepts (1 Eliminations-, 2 Testphase, 3 Dauerkostplan), gibt Anleitungen zum richtigen Einhalten der Konzepte und führt einige Listen mit Hinweisen auf die kritischen Stoffe auf.

Akribisches Ernährungstagebuch

An dieser Stelle ist unvermeidbar, dass viel Recherchearbeit auf die Betroffenen zukommt: Sie müssen akribisch Pläne ausfüllen, wie viel eines Lebensmittels sie wann in welcher Kombination und Art aßen und ggf. welche Beschwerden sich einstellten. Wer nun davon ausgeht, zu allen Beschwerden werde man dann auch noch mit einer langweiligen, faden, bleichen Kost bestraft, die sich oft wiederholt, den belehrt der Rezeptteil eines Besseren: Was da beschrieben steht, ist so lecker, dass man gleich bestellen möchte. Autorin und Verlag haben sich anscheinend bewusst darauf geeinigt, nicht jedes Gericht abzubilden, denn sonst könnte man den wunderschönen Sachen ja gar nicht mehr widerstehen. Also im Gegenteil: Betroffene, die diszipliniert vorgehen, können sich mit herrlichen Gerichten belohnen!

A. Martin Steffe

Karina Haufe: Der einfachste FODMAP-Guide aller Zeiten. Lebensmittellisten, Tagespläne, Rezepte: Alles, was sie zur Eliminationsdiät und zum Austesten brauchen. Stuttgart, 2021 (Trias), 117 S., €13,40. ISBN 9783432112671

Nicht das Weglassen, das Austauschen steht im Vordergrund

Ernährung bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms

Wenn Menschen ein metabolisches Syndrom aufweisen, so ist schon alleine das ein Hinweis auf Informationsdefizite und Hilflosigkeit. Denn wenn sie besser Bescheid um Lebensmittel und Einkauf wüssten, könnten sie schon viel für ihre Gesundheit erreichen. Erschwerend aber kommt auch hinzu, dass alle Mahnungen, Warnungen, Erklärungen zum richtigen Essen immer ganz oben an der Genusspyramide ansetzen und von daher leicht ein übermäßiges Maß an Ausreden oder Abwehr heraufbeschwören. Erschwerend kommt ebenfalls hinzu, dass Laien ratlos sind: Was muss ich essen, damit ich gesund werde? Aber darf ich das auch essen bei meinem Diabetes? Woran erkenne ich Kohlehydrate, sind die schwarz?

Wer sich nicht bewegt, hat keinen Anspruch auf Kohlehydrate

Das vorliegende Buch setzt also richtig an, indem es alle Fragen in puncto Ernährung leicht fasslich und nicht zu ausführlich erklärt. Wenn man kranke Menschen gewinnen will, sind eine gewisse Breite und Erklärungstiefe erforderlich, sie zum Umsetzen von Ratschlägen zu motivieren. Dazu eignet dem Buch der erfreuliche Tenor, dass es nicht um das Predigen von Verzichten geht (bis auf Ausnahmen) sondern um den Ersatz von Lebensmittelmüll oder Chemiefabrik durch Qualität, die auch noch gut schmeckt. "Ich wusste gar nicht, dass man sich so wohl fühlen kann", sagen Patienten der Ernährungsmedizinerin Wirrwitz-Bingger, wenn sie erste Erfolge erleben – Gewichtsabnahme und/oder bessere Blutwerte. Die Autorin unterstreicht, die Ratschläge und Rezepte, die sie gibt, sind keineswegs nur als eine "Diät" für Übergewichtige zu verstehen, sondern als die Kost, die auch Gesunde einhalten sollten, wenn sie schlank und gesund bleiben wollen.

Ratschläge nicht verabsolutieren sondern differenzieren

Erklärt werden die nötigen anatomischen und pathologischen Tatsachen, etwa die Unterschiede zwischen Typ 1 und Typ 2 Diabetes oder das Entstehen von Fettleber durch zu viel Fruchtzucker oder die chronischen Entzündungen im Körper. Gut gelungen sind auch die Abschnitte, in denen ein "aber" unumgänglich ist. Sei es, dass auch schlanke Menschen über zu viel inneres Bauchfett haben können, also sehr wohl auf ihre Kost achten müssen. Seien es Operationen (z.B. zur Magenverkleinerung), die aber einschränkende Folgen haben können. Vorsicht bei Fetten, ja, aber die richtigen Fette machen nicht fett. Der Glykämische Index kann bei der Auswahl von Lebensmitteln helfen, ja, aber er ist unzureichend als alleiniger Index (besser ist der Blick auf die glykämische Last). Hülsenfrüchte sind als Eiweißlieferanten sehr zu empfehlen, ja, aber Vorsicht, wenn Patienten zu Gicht neigen. Aber es treten auch überraschende Aspekte hinzu, die man nicht ohne weiteres bei der Ernährung als wichtig vermutet, wie etwa der Mahlzeitenrhythmus oder ausreichend Schlaf. Wenig überraschend mahnt auch die Autorin, Alkohol nur in geringen Maßen zu genießen – aber sie vergisst dazu auch nicht den Hinweis, dass er Unterzuckerungen begünstigt, und es geht ja um Patienten mit Diabetes. Wenn also jemand wegen des metabolischen Syndroms ein Buch braucht, so sollte es das vorliegende sein, denn es hat alles, was zur Bewältigung dieses schwierigen Komplexes erforderlich ist.

A. Martin Steffe

Andrea Wirrwitz-Bingger: Ganzheitliche Ernährung bei Metabolischem Syndrom. Adipositas, Diabetes Typ 2, Hohe Blutfette, Bluthochdruck.

Nicht mehr Kapitän auf meinem Boot

Zwangserkrankungen sind keine amüsanten Ticks – sie sind der Feind des Menschen

Aus den Zwangserkrankungen dringen Phänomene wie Waschzwang, Platzangst, Höhenangst unter die Leute, die Nichtbetroffene eher belustigen. Weit gefehlt. Hinter Verhaltensweisen, die nach außen dringen, verbirgt sich ein Krake von Ängsten, die jederzeit alles erfassen, was ein betroffener Mensch eigentlich tun möchte. "Der Zwang drängt sich ans Steuerrad", schreibt Rhomberg. Dazu kommen körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit, die wegen der kolossalen Anstrengungen, die die Betroffenen unternehmen, ebenfalls immer schlimmer werden. Zumal sie gleichzeitig wissen, dass ihre gesteigerten Rituale unsinnig sind, und sie sie deshalb vor anderen auch noch zu verbergen suchen. Das Fatale aber ist: Während erst der Eindruck entsteht, ein Ritual zu befolgen schaffe Erleichterung, tritt das Gegenteil ein – sie tauchen umgehend wieder und sogar stärker wieder auf. Die Angst ist kein Freund der Betroffenen, sie ist ihr Feind.

Die Autorin schreibt als Betroffene, und es ist nur erfreulich, dass endlich auch einmal dieses Thema seinen Weg an die Öffentlichkeit findet. Denn die Scham der Betroffenen verhinderte das bisher. So erfahren sie auch nicht, dass sie krank sind und Behandlung brauchen und bekommen können, jedoch sind darum Ärzte der Erstversorgung nicht genügend geschult oder erfahren, die Krankheit erkennen zu können. Daher dauert es sieben bis zehn Jahre, bis eine Zwangserkrankung erstmals ordentlich diagnostiziert wird. Rhomberg schildert ihre Qualen auch um die Allgemeinheit zu informieren, damit diese Verständnis bekommt und helfend beistehen kann. Sie schafft es, das Gewitter von Einreden wiederzugeben, so dass man wirklich einen Eindruck von dem Furchtbaren bekommen kann, das in den Betroffenen abläuft. Anderen Betroffenen will sie einen Weg bahnen, dass sie leichter von ihrem Leiden sprechen, und um ihnen einen Einblick zu geben, wie die Therapie vorgeht.

Rhomberg schildert ausführlich, was sie bei den einzelnen Therapiemaßnahmen durchmacht und gewinnt. Sie beansprucht darin nicht, ein Therapiekonzept wissenschaftlich zu beschreiben, sondern geht von ihrem Erleben aus. Dennoch gelingt ihr dabei auch eine gute Beschreibung des jeweiligen Konzepts und macht anderen Betroffenen damit klar, dass es eine Therapie gibt.

Ursache einer Zwangserkrankung sind nach Rhombergs Ansicht Verkettungen ungünstiger Umstände. Es gab vielleicht etwas, das berechtigt Angst machte, worauf die später Erkrankten jedoch mit unverhältnismäßig starker Angst reagierten. Später kommt eine fatale Verknüpfung dazu, in der sie nicht mehr nur überlegen, ich habe etwas falsch gemacht, sondern glauben "Ich bin falsch!" Rhomberg gelingt dazu ein genialer Ratschlag. Wenn Eltern oder Ärzten auffalle, dass ein Kind häufig über Kopfschmerzen klagt, insgesamt aber tüchtig und ehrgeizig ist, dann könnten sie mit den folgenden unverfänglichen Fragen weiter kommen: Machen dir deine Kopfschmerzen Angst? Sagt dir dein Kopf, wie du weitere Kopfschmerzen verhindern kannst? "Musst du gewisse Dinge tun, damit du keine Kopfschmerzen mehr bekommst? Freust du dich auf Geburtstagsfeiern, Urlaube, Ausflüge, oder bereiten dir solche Anlässe eher Sorgen und Angst?" Das Buch ist ein Gewinn für die Gesellschaft.

A. Martin Steffe

Rhomberg, Lisa: Zwänge verstehen und überwinden. Einblick in ein Leben mit einer Zwangserkrankung. Stuttgart 2021 (Trias), 246 S., €19,99. ISBN 9783432113951

Entspannung muss erst wieder gelernt werden

Übungen für Kiefer, Hals und Schultergürtel

Der erste Teil des Buches ist der Muskel- und Gelenkanatomie des Kopfes gewidmet. Das ist nötig, weil sie sich der leichten Anschauung oder einem Fühlen entziehen. Aber man braucht ein gewisses Verständnis, wenn man Verspannungen durch sanfte Übungen lösen möchte. Vor allem aber, damit man sich vorstellen kann, dass die Nähe der Gelenke, Bänder und Muskeln zueinander zu Störungen in den Nachbarreaktionen führt. Fachärzte wissen längst, dass Kopfschmerzen von Kieferfehlstellungen herrühren können, oder dass jemand sich beim Autofahren nicht mehr richtig umsehen kann, weil die Person täglich nur auf Computer-Bildschirme, Tablets oder Mobiltelefone starrt und sich eine schiefe Kopfstellung angewöhnte. Erschwerend kommt zu arbeitsbedingten Fehlhaltungen hinzu, dass die Kieferregion überaus empfindlich für jede psychische Spannungsreaktion ist: Konzentration auf etwas, bange Erwartung, Angst, psychischer Druck wirken sich nur allzu leicht auf Anspannungen des Unterkiefers und in Folge davon auf weitere Partien des Kopfs und des Nackens aus.

Die von Höfler angebotenen Übungen zielen daher zunächst einmal auf Entspannung der Kieferregion. Alle Übungen haben den Vorteil, dass sie im Sitzen ausgeübt werden können, und das wiederum bedeutet, dass man sie unauffällig auch im Büro oder unterwegs in der Bahn einflechten kann. Alle Übungen sind reichlich mit Fotos veranschaulicht, so dass auch Ungeübte erkennen können, worauf es bei einer Übung ankommt.

A. Martin Steffe

Heike Höfler: Der kleine Coach für Kiefer & Nacken. Die besten Übungen gegen Kieferknacken, Verspannungen, Zähneknirschen & Co. Stuttgart 2021 (Trias), 130 Seiten, €13,40. ISBN 978-3-432-11383-8

Alles könnte von einer gepflegten Leber profitieren

Zwischen Ignorieren und Fehldeuten von Lebersymptomen

Ausgangspunkt des Buches waren die unglaubliche Menge und der anhaltende Anstieg der Zahl von nicht-alkoholischen Fettleberfällen auch in Deutschland: Ein Viertel der Bevölkerung, also rund 20 Millionen Menschen, leben mit einem schwer beeinträchtigten und krebsgefährdeten Organ. Die Erklärungen dieser unbemerkten Erkrankung in puncto Struktur und Aufbau der Leber, Nahrungszusammensetzungen und -gewohnheiten, Bewegung, Tagesstruktur, Veranlagungen und Alkoholgewohnheiten führen danach zu anderen Themen rund um die Leber. Das Buch ist so umfassend und gleichzeitig so genau, dass alle anderen Spezialisten es ständig zum Nachschlagen im Regal vor sich haben sollten, damit sie ihre Ratschläge bestens begründen können.

Ist es wirklich eine alkoholbedingte Zirrhose?

Wenn etwa Menschen eine Eisenspeichererkrankung haben, könnte sein, dass ihre Lungenbeschwerden als Asthma gedeutet werden und sie dann eine Odyssee hinter sich bringen müssen, bis ihr A1AT-Mangel anhand nur eines Blutstropfens nachgewiesen, und die wahre Ursache behandelt wird. Oder: Ärzte bemerken die Anfänge einer Zirrhose und erklären sie durch zu hohen Alkoholkonsum. Tatsächlich ist eine Leber mit A1AT-Mangel alkoholempfindlicher als eine gesunde Leber, aber mit Ermahnung, weniger zu trinken, ist es in diesen Fällen nicht getan. Oder: Eine primär biliäre Cholangitis (PBC) führt zu Trockenheit der Schleimhäute. Stellt sich eine Frau wegen trockener Vagina bei Frauenärzten vor, denken die: Ist doch klar, sie ist über 50 Jahre alt, und so sieht es die Patientin selbst dann auch. Dabei könnte ihrem Hautproblem kausal abgeholfen werden, wenn die Ärzte nur jede mögliche Ursache im Blick hätten. Insofern staunt man in jedem Kapitel neu über Zusammenhänge, von denen man nichts ahnte, und ist dankbar für die Aufklärung.

Über alle inhaltliche Qualität hinaus und das unglaublich umfassende Programm in einem schmalen Bändchen schaffen die Autoren sogar, das Ganze auch noch in lockerem Deutsch und zuweilen mit Witzen darzustellen, ohne dabei je an Genauigkeit zu verlieren oder Medizingeschichte außer Acht zu lassen, wenn diese etwas zu erklären hilft. Eigentlich eine eher vom Angelsächsischen her vertraute Form der Aufklärung. Ob Krebs, Fettleber, Speicherkrankheiten, Genetik, Fuchsbandwurm oder Gallensteine – die Aufklärung alleine macht das Buch schon zu einem Klassiker. Die glückliche Form, die es für seine Aufklärung findet, macht das Buch zu einem Vorbild für jede laienmedizinische Veröffentlichung.

A. Martin Steffe

Lohse, Ansgar W., Ulf C. Goettges Das Schweigen der Leber. Die lebenswichtigen Geheimnisse eines stillen Organs. Stuttgart, 2020 (Trias). 272 S., ISBN 978-3-432-11271-8, €16,99